Skulpturen im Park

Virtuosität in Stahl - der Künstler Thomas Röthel

Skulpturen im 
WildPark Schloss Tambach von Thomas Röthel

Natur; Park und Kunst sind seit Jahrhunderten eine spannende Verbindung. Gerade unseren WildPark, mit seinen verschiedenen Parkbereichen, halten wir für einen wunderbaren und faszinierenden Raum, Skulpturen zu präsentieren. Wir sind überaus dankbar, den aus Franken stammenden Künstler Thomas Röthel für unsere Idee gewonnen zu haben.

Anfang der Jahres 2021 errichtet der Stahlbildhauer und Ansbacher Kunstpreisträger Thomas Röthel im WildPark, insbesondere im alten englischen Schlosspark mit seinem alten Baumbestand, Sichtachsen und Bächen, in dem Dam- und Rothirsche frei laufen, einen wunderbaren Skulturenpfad. Insgesamt werden im Park 12 Skulpturen zu sehen sein. Thomas Röthel arbeitet in Stahl.  Der 1969 in Ansbach geborene und zunächst zum Holzbildhauer ausgebildete Röthel studierte von 1992-98 bei Professor Hölzinger in Nürnberg und bildete sich so auch im architektonischen Denken und in Fragen von Kunst und Öffentlichem Raum aus. Seit 1995 entwickelt er Stahlskulpturen und ist seit 1998 freischaffend tätig.


Was ist Stahl? Es ist eine Legierung, die vor allem aus Eisen besteht und nur einen geringen Anteil an Kohlenstoff aufweist  – weniger als zwei Prozent. Enthält Eisen mehr als zwei Prozent Kohlenstoff, nennt man es Gusseisen. Gusseisen ist zu spröde und zu hart zum Schmieden, es lässt sich nur im flüssigen Zustand gießen. Stahl hingegen lässt sich formen und schmieden. Die Entwicklung vom Guss- zum Schmiedeeisen (Stahl) veränderte die Welt bis heute.

Röthels faszinierenden, teilweise meterhohen stehenden oder meterbreiten liegenden Skulpturen sind nicht auf bestimmte Plätze bezogen oder für bestimmte Räume geschaffen, sondern entstehen als freie und absolute Formen in der Vorstellung des Künstlers. Anders als andere Meister dieses Fachs – etwa Richard Serra – entwirft Thomas Röthel seine Formen nicht erst mit dem Zeichenstift. Er stürzt sich gleich ins Material und basiert seine Arbeiten auf kleine Modelle der angestrebten Skulpturen.  Er selbst sagt dazu: Mich interessiert die Materialreaktion, die eintritt, wenn man bestimmte Kräfte wirken läßt, man den Stahl auseinanderzieht, biegt oder neuerdings zerbricht. Röthel sucht sich für jedes Werk den passenden Stahl, je nachdem, ob die Skulptur gebogen oder gedehnt werden soll.

Der Besucher sieht massive, teils tonnenschwere Skulpturen, die trotz ihres realen Gewichts und ihres sperrigen Materials durch ihre runden, fließenden Formen und schneckenhaften Drehungen eine Leichtigkeit vermitteln, wie man sie dem Stahl nicht zutraut. Einige seiner Objekte bestehen aus massiven Blöcken, andere aus mehreren verbundenen Platten. Die filigransten Formen entstehen, wenn ein Werk aus mehreren Platten zusammengeschweißt wurde, die sich unter großem Energieeinsatz wie organisch auffächern. 

Die genaue Gestalt des fertigen Kunstwerks lässt sich auch vom Künstler selber nicht im Detail vorausberechnen, da die verformbaren Teile nur indirekt bewegt werden. Das Werden eines Werkes ist eine Gratwanderung zwischen der ertrotzten Verformung des heißen, biegsamen Stahls und der Gefahr des Berstens bei fortgeschrittener Erkaltung: Biegen, nicht brechen – das ist die Kunst.

In fortwährender Beobachtung des Entstehungsprozesses, im Eins-Sein mit der Materie, mit dem Material, begleitet der Künstler die ‚Geburt‘ seiner Werke. Soll eine Monumentalplastik entstehen, beginnt der Arbeitstag des Künstlers bei Sonnenaufgang mit acht Stunden Heizen am Steinkohleofen.

Die Archaik im Schaffensprozess – die Zähmung der unbeugsamen Materie durch die zivilisatorisch so grundlegenden Mittel Feuer und Werkzeuggebrauch – diese Archaik gehört zu den Spezifika, die Thomas Röthel nun schon über zwei Jahrzehnte hinweg an seiner Arbeit zu fesseln und zu begeistern vermögen. Auch die archaische Anmutung des rasch sichtbar alternden Materials gehört zu den Dingen, die Thomas Röthel an seinem Werk faszinieren. 
Die Wiederkehr künstlerischer Motive – bei Thomas Röthel beispielsweise ganz deutlich die immer wieder durchdeklinierte Verkantung, Verschiebung oder Spiegelung zweier gleicher Werkteile – macht uns anschaulich, was Fortschrittsglaube gern überspielt: „Es ist“, sagt Thomas Röthel, es ist seit Tausenden von Jahren „der gleiche Mensch.“ So ist es letztlich die Erinnerungstiefe der Kunst, die Röthels Schaffen antreibt: die Tatsache, dass der Mensch Kunst macht, eben seit er Mensch ist.
„Unabhängig der Werkreihe oder Größe seiner Skulpturen, ob nun 4 m oder 30 cm hoch, entgegen ihrer Massivität und Schwere, ist allen Werken eine gewisse spielerische Leichtigkeit inhärent, die das Material scheinbar in ihr Gegenteil verkehrt. Seine Skulpturen sind allansichtig und wollen von verschiedenen Perspektiven betrachtet werden — je nach Betrachterstandpunkt und Lichteinfall werden immer neue Impressionen erzeugt.“

Biografie Thomas Röthel
www.thomasroethel.de

1969                           geboren in Ansbach (DE)

ab 1995                     Entwicklung von Stahlskulpturen

ab 1998                     freischaffend tätig

Copyright Steffi Christmann
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