Grundlagen der Greifvogelhaltung

Um die Greifvögeln, die im Wildpark Tambach leben kümmern sich liebevoll die Falkner des Bayerischen Jagdfalkenhofs.

Flugverhalten von Greifvögeln

Greifvögel – egal ob in freier Natur oder in menschlicher Haltung – fliegen nicht zum Spaß. Der Flug eines Greifvogels bedeutet für diesen Energieverbrauch, welcher durch eine erfolgreiche Jagd wieder kompensiert werden muss. In freier Natur ist die Jagd jedoch sehr risikoreich und mit ungewissem Ausgang. In der Regel ist ein Wildvogel nur bei jedem achten bis zehnten Jagdflug erfolgreich. Dies bedeutet, dass der Vogel zum Fliegen immer einen Grund benötigt. Die häufigsten Gründe hierzu sind: Jagd (Beuteerwerb), Horst- und Revierverteidigung, Balz (Partnersuche) oder Flucht. Liegt keiner dieser Gründe vor, so hat der Vogel keinen entsprechenden Bewegungsdrang. Dieses Verhalten gilt nicht nur für Greifvögel, sondern generell für alle Beutegreifer, ob Greifvogel, Löwe, Luch, Wolf oder andere.

Volierenhaltung

Bei einer Volierenhaltung von Greifvögeln, müssen die verwendeten Volieren vom lokalen Amtstierarzt genehmigt werden. Die Größe der Volieren richtet sich dabei nach den zu haltenden Greifvögeln. Im Gutachten zu „Mindestanforderungen an die Haltung von Greifvögeln und Eulen“ der „Sachverständigengruppe Gutachten über die tierschutzgerechte Haltung von Vögeln“ werden den zuständigen Behörden Empfehlungen für die Größe und Aufbau von Halteeinrichtungen für Greifvögel zur Hand gegeben. Zu beachten ist jedoch, dass dieses Gutachten lediglich empfehlenden Charakter hat, nicht bindend ist und keine Rechtsgrundlage darstellt. Die finale Entscheidung über die Genehmigung einer Halteeinrichtung obliegt immer dem lokalen Amtsveterinär. Generell gilt jedoch bei Volieren für Greifvögel zu beachten, dass die meisten Greifvogelarten „Schnellstarter“ sind – also auf kurze Distanz bereits eine große Geschwindigkeit erreichen. Demnach können auch zu groß gestaltete Volieren lebensgefährlich für Greifvögel sein. Fliegt ein Vogel mit zu großer Geschwindigkeit in eine Volierenbegrenzung (z.B. Zaun), besteht ein hohes Verletzungsrisiko, welches ggf. auch tödlichen Ausgang haben kann. In der Gestaltung von Volieren gilt also der Leitsatz „je größer desto besser“ definitiv nicht. Eine Voliere muss immer auf die entsprechende Greifvogelart und deren arttypischen Verhaltensmuster angepasst sein.

Falknerische Anbindehaltung

Inhabern eines gültigen Falknerjagdscheines ist neben der Volierenhaltung auch die falknerische Anbindehaltung an Block, Sprenkel und Flugdrahtanlage gestattet. Die Grundsätze der entsprechenden Haltungseinrichtungen werden ebenfalls im o.g. Gutachten empfehlend erläutert. Jedoch obliegt die finale Genehmigung einer entsprechenden Einrichtung auch hier dem Amtsveterinär. Generell gilt jedoch, dass die falknerische Haltung immer gekoppelt an den regelmäßigen Freiflug und Training des Vogels ist. Ausnahmen hierfür sind lediglich medizinische Indikationen. Auch bei der Gestaltung der Flugdrahtanlagen muss das arttypische Verhalten und die Biologie des Greifvogels beachtet werden. Fliegt ein Vogel zu schnell zum Ende der Halteeinrichtung besteht akutes Verletzungsrisiko. Auch hier gilt also nicht der Grundsatz "groß oder lang gleich gut".